Lasst uns das Australien-Projekt beginnen!

Es gibt über 20’000 essbare Pflanzen und dennoch hängt unsere Nahrungsmittelsicherheit von weniger als 20 Nutzpflanzenarten ab. Als biologisch arbeitende Gärtner sind wir alle dazu verpflichtet, die Vielfalt in unseren Gärten zu erhöhen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um dies zu erreichen: Man kann alte Sorten anbauen, sie vermehren und erhalten. Man kann neue Sorten züchten, sie weitergeben und verbreiten. Man kann vergessene Gemüsearten anpflanzen. Und man kann neue Gemüsearten kreieren.

Alle unsere Nutzpflanzen sind aus der Domestikation von essbaren Wildpflanzen entstanden. Ich hatte schon länger die Idee, selber mit der Domestikation einer Pflanze zu beginnen. Die Frage war nur, welche? Carol Deppe hat in ihrem empfehlenswerten Buch „Grow Your Own Vegetable Varieties“ dazu geraten, es mit einheimischen Pflanzen zu versuchen. Ich denke aber, dass es einfacher wäre, den Versuch mit einer Pflanze zu wagen, die nicht in der Umgebung wächst, da sie damit isoliert wird und nicht mehr von Wildpflanzen bestäubt werden kann. Ich habe mir deshalb überlegt, woher die Pflanze stammen sollte. Ich bin auf Australien gekommen. Australien und Neuseeland haben eine einzigartige Flora, die von der Nahrungsmittelproduktion beinahe vollständig ignoriert wird (Ausnahme: Macadamianuss). Das liegt vor allem daran, dass die Aborigines keine Ackerbaukultur waren und somit die ganze Flora (und Fauna) undomestiziert blieb. Höchste Zeit also, um das nachzuholen. Ich habe mich daher eingehend informiert und habe einige Pflanzenarten als Kandidaten zur Domestikation ausgewählt. Bisher habe ich die Samen von vier Pflanzenarten erhalten, die ich hier nun vorstelle:

Die Rengalilie (Arthropodium cirratum) ist ein neuseeländisches Zwiebelgewächs, welches im Winter einzieht. Es erreicht eine Höhe von 50 cm und blüht im Frühsommer mit vielen weißen, zierlichen Blüten. In wintermilden Regionen kann diese Pflanze möglicherweise an einer trockenen Stelle mit Mulch im Freiland verbleiben. Ein trockener Standort kann nicht nur die Überwinterungschancen verbessern, sondern ist auch hilfreich gegen Schneckenfraß, da die Rengalilie gerne das Ziel dieser unliebsamen Gartenbewohner ist. Die Rengalilie wurde von den Maori kultiviert. Die Zwiebeln werden gekocht oder geröstet und scheinen einen kartoffelähnlichen Geschmack zu haben. Die Rengalilie wurde von den Maori auch medizinisch verwendet. Die geröstete Wurzel der Lilie wird zu Brei gemahlen und noch warm auf den Tumor (!) oder den Abszess aufgetragen. Der untere Teil der Blätter wird ebenfalls zu Brei gemacht (wahrscheinlich ungekocht) und als Wickel gegen Geschwüre und alte Wunden verwendet, aber auch um geschwollene Glieder zu kühlen. Die Rengalilie ist übrigens nahe mit den australischen Vanillelilien verwandt und besitzt deshalb möglicherweise auch einen Vanillegeruch. Die Rengalilie scheint also Potenzial zu haben.

Die Maorililie (Bulbinella hookeri) ist ebenfalls ein neuseeländisches Zwiebelgewächs. Die radförmig sechszähligen Blüten sind gelb und erscheinen in Australien von Februar bis März. Die Blüten sind in Trauben angeordnet. Die Früchte sind fachspaltige Kapseln. Die Maorililie bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standort und verträgt Temperaturen bis -12,2º C. Die Staude wächst auf sandigen und steinigen Lehmböden und fühlt sich in feuchten Substraten wohl. Die fleischige Wurzel wurde von den Maori gegessen.

Die Schokoladenlilie (Dichopogon strictus) ist ein mehrjähriges Zwiebelgewächs aus dem westlichen Australien und Tasmanien. Man trifft die Pflanze auf Wiesen und in offenen Wäldern an. Die Schokoladenlilie bildet auffällige violett-blaue orchideenähnliche, nach Schokolade oder Vanille duftende Blüten an eleganten Stielen und besitzt grasähnliche Blätter. Sie ist für jeden guten, sehr durchlässigen Boden an einem halbschattigen bis sonnigen Standort geeignet. Aus Samen gezogen ist die Pflanze schon nach 1-2 Jahren vollständig entwickelt. Die Schokoladenlilie bildet an den Wurzelenden Knollen aus, die von den Aborigines gegessen wurden.

Die Australische Apfelbeere (Billardiera scandens) ist eine Kletterpflanze aus Australien. Die Australische Apfelbeere ist immergrün, die Blätter sind wechselständig angeordnet. Sie sind dunkelgrün, eiförmig und haben einen gewellten Rand. Sie bildet längliche, grüne Beeren, die an eine Kiwi errinnert. Die Beeren reifen erst, nachdem sie zu Boden gefallen sind. Sie wurden von den Aborigines gegessen und sollen nach gekochten Äpfeln schmecken. Wenn sie reif sind, können sie roh gegessen werden. Im unreifen Zustand müssen sie gekocht werden. Die Australische Apfelbeere ist eine anpassungsfähige Pflanze und gedeiht unter vielen Bedingungen.

Es werden noch weitere Pflanzenarten folgen. Das Australien-Projekt kann beginnen!

Grüne Grüsse!

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8 Kommentare zu „Lasst uns das Australien-Projekt beginnen!“

  1. Servus, finde dein Australien Projekt sehr Interessant überhaupt finde ich auch deine anderen Versuche sehr interessant. Muss ich einfach mal anmerken, da ich auch in diese Richtung denke(n will). Leider bin ich aber kein Gärtner. Ich bin eigentlich ein Computer Fuzzi. Tipps kann ich mir bei keinem holen da ich dann immer nur höre du spinnst, das rentiert sich nicht, du wirst schon sehen was du davon hast. Jetzt bin ich auf der Suche nach gleichgesinnten, nach Leuten die nicht in der Hauptschlagader des allgemeine Wahnsinns schwimmen (Danke Internet). Jetzt kommt auch schon der Kasus Knacktus. Darf ich dich ab und zu mal mit Fragen zu Themen die du nicht in deinem Blog behandelst belästigen? Wie gesagt ich kenne mich nicht wirklich aus ich weiß nur dass das was momentan gemacht wird nicht richtig ist. Danke.

    1. Du kannst mich natürlich mit allen Fragen „belästigen“, die dir einfallen. Für mich ist auch klar, dass etwas nicht stimmt. Wir haben 1 Milliarde hungernde Menschen, jede 6 Sekunden stirbt ein Kind an Hunger, und wir rasen unaufhaltsam auf eine Klimakatastrophe zu. Es ist unser Wirtschaftssystem, das diese Probleme verursacht. Ein Wirtschaftssystem, das auf Ausbeutung von Mensch und Natur basiert, kann nicht auf immer funktionieren. Dieses System namens Kapitalismus kann die Probleme, die es verursacht, nicht lösen. Man sieht z.B. wie jedes Jahr eine Klimakonferenz gehalten wird und nichts passiert. Im Gegenteil, der CO2-Ausstoss erhöht sich immer weiter. Der Kapitalismus wird nicht aufhören, uns und unsere Umwelt zu zerstören, solange es sich auszahlt bzw. Profit abwirft, d.h. also bis zum bitteren Ende.
      Wir müssen Alternativen zum Kapitalismus finden, und damit auch zur kapitalistischen Landwirtschaft.

  2. Zu erst mal Danke für deine Bereitschaft mir zu helfen. Das mit dem Kapitalismus sehe ich genau so. Das Geld besser gesagt die Zinswirtschaft ist meiner Meinung der Treibwagen des Übels. Ansätze wie man es besser machen könnte gab es ja schon. Stichpunkt „Freigeld“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Umlaufgesichertes_Geld). Ob sich das aber ändern wird? Wahrscheinlich nicht den alle sind der Meinung Geld arbeitet und von Zinsen kann man leben.

    Eine Frage habe ich aber auch noch. Ich bearbeite seit einem Jahr ein kleines Stück Land. Das erste was ich machen möchte ist den Boden zu verbessern, wurde früher industriell Bewirtschaftet. Regenwürmer sind fast keine auf dem Feld. Habe dieses Jahr verschiedenen Pflanze gebaut. Sonnenblume, Ackerrettich, Gelbsenf, Flachs, Lubinen, Tabak, Weizen und einen kleinen Teil Gemüse. Das meiste habe ich auf den Feld gelassen sozusagen als Gründünger. Die Sonnenblumen habe ich direkt auf das Feld häckseln lassen. Ein großer Teil der Pflanzen steht aber noch incl. Beikraut. Ackern möchte ich nicht nur nächstes Jahr mit dem Grubber drüber fahren und neu ein sähen. Leider habe ich keine Erfahrung ob das richtig ist, ich bilde es mir eben ein bzw. bin der Meinung man muss auch die Lebewesen im Boden füttern muss. Wie sind da deine Erfahrungen bzw. wie würdest du da ran gehen.

    1. Zum Thema alternative Ansätze: Ich sehe halt nur einen völligen Systemwandel als Lösung; wir brauchen keine Wirtschaft, die auf Profit aus ist, sondern eine, die sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet; Sozialismus eben.
      Was deine Bewirtschaftungsmethoden angeht, scheinst du alles richtig zu machen. Am Anfang ist es sicher wichtig, eine gesunde Humusschicht auf deinem Land zu entwickeln. Das machst du ja schon richtig, indem du auf eine geschlossene Vegetationsdecke achtest. Einfach nie den Boden kahl und offen lassen, das fördert Erosion; nach der Ernte sollte man stattdessen mulchen z.B. mit Gras, Laub oder eben mit den abgeernteten Pflanzen, oder man sät direkt wieder etwas. Statt einer Monokultur vielfältige Kulturen anzubauen, ist natürlich auch wichtig, aber das machst du bereits, wie ich sehe. Falls dein Boden ausgelaugt sein sollte, würde ich empfehlen, dass du immer wieder Leguminosen (Bohnen, Erbsen etc.) anbaust, die reichern Stickstoff im Boden an, und dass du dem Boden zusätzlich organisches Material von ausserhalb zuführst. Falls der Boden überdüngt sein sollte, würde ich in den nächsten Jahren einfach sparsam mit Kompost sein. Ich sehe eigentlich keinen Grund, deine bisherigen Methoden zu bemängeln. Ich sag nur: weiter so!

  3. Danke für deine schnelle Antwort und für deinen Zuspruch das ich auf dem richtigen Weg bin. Aber eine weitere Frage stelle ich mir wenn ich deinen Text lese. Wie erkenne ich das der Boden über düngt bzw. ausgelaugt ist. Ich hab mal was von Beikräutern gelesen (Zeigerpflanzen), an denen man den Bodenzustand deuten kann. So recht schlau bin ich daraus aber auch nicht geworden. Wahrscheinlich weil ich die Pflanzen nicht einmal richtig beim Namen nennen kann.
    Versuchen zwar anhand von Büchern mich mit den Pflanzen bekannt zu machen aber das ist schwieriger als man meint. Gibt es da noch andere Methoden wie man so was bestimmen kann?

    Zum Schluss noch ein Wort zu unserem Kapital Wahnsinn. Komisch hier scheinen wir auch in die gleiche Richtung zu denken. Ich muss dir vollkommen recht geben das wir mehr auf die Bedürfnisse der Menschen achten sollten. Das Wort sozial sollte dieses ja widerspiegeln. Kennt der Mensch aber eigentlich noch was sozial ist? In einer Zeit wo alles super schnell gehen muss gibt es zwar noch das Wort sozial aber nicht mehr die Zeit dieses umzusetzen. Da fällt mir ein Sprichwort ein „Zeit ist Geld“ und für dieses vergolden wir dann unser Leben. Geben ein wenig davon ab (ist ja aktuell wieder die Zeit), nehmen sich aber nicht die Zeit was gutes zu tun.

    Stefan

    1. Um die Bodenqualität zu prüfen, kannst du ihn einerseits in einem Labor untersuchen lassen, was aber etwas kostet. Oder du wartest ab und beobachtest. Du siehst dir an, ob die Pflanzen gut gewachsen sind, oder ob sie gekränkelt haben. Dazu braucht man wahrscheinlich nicht mal viel Erfahrung. Es gibt dir einfach keine 100%ige Garantie. Auf Zeigerpflanzen würde ich mich nicht blind verlassen; einerseits bilden sie nur einen Durchschnittwert der Pflanzen, die auf diesem und jenem Boden wachsen (d.h. bei dir könnten sich die Pflanzen zufällig völlig anders verhalten), andererseits ist man sich nicht wirklich einig darüber, was die Zeigerpflanzen anzeigen sollen (ich habe schon Widersprüchliches gelesen).
      Ich kenne auch nicht den Namen von jedem Unkräutlein auswendig; ich finde, es wichtiger, dass man die Eigenschaften der Pflanze kennt, z.B. wie sie sich ausbreitet. Das bringt letztendlich mehr.

  4. Gut beobachten, mach ich jetzt auch schon. Labor kommt für mich nicht in Frage denn die testen nur das was ich wahrscheinlich gar nicht wissen will. Eigentlich ist mir der Name der Pflanzen auch egal aber um darüber nachlesen zu können ist der für mich schon wichtig.
    So vorerst hast du meine Wissensdurst gestillt aber keine Angst ich melde mich wieder 🙂
    Danke.

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