Lasst uns das Australien-Projekt resümieren!

Im letzten Jahr habe ich mich an die wilde, undomestizierte Flora Australiens herangewagt und die ersten potenziellen Nutzplanzen gesichtet. Mehr allgemeine Infos zum Australien-Projekt gibt’s hier:

https://lassleben.wordpress.com/2011/11/13/lasst-uns-das-australien-projekt-beginnen/

Was ist nun dabei herausgekommen? Zuerst einmal: Nur rund die Hälfte der Arten in meinem Besitz ist überhaupt gekeimt. Aber das war zu erwarten, da es sich um Wildpflanzen handelt. Eine zuverlässige Keimung muss eben noch herangezüchtet werden (das passiert im Allgemeinen erst durch die Domestikation).

Den grössten Erfolg bescherte die Australische Malve (Malva preissiana):

Austr_Malve

Die Keimung war zwar schlecht: Nur zwei Pflanzen sind gekeimt, wovon bei der einen bald darauf der Spross abgestorben ist. Die überlebende Pflanze ist aber ganz gut gewachsen. Nur leider schon spät im Jahr. Sie hat bereits im ersten Jahr geblüht mit hübschen, zartrosa Blüten, die intensiv nach Honig dufteten. Ich habe sie ins Haus geholt, um sie vor Frost zu schützen, wo sie weitergeblüht hat. Durch Handbestäubung hat sie schliesslich Samen angsetzt. Das Reifen der Samen dauerte sehr lange, und am Ende stellte sich heraus, dass die Pflanze ihre Samen verstreut (ich musste sie teilweise mühsam um den Topf suchen gehen). Dieser letzte Punkt muss im Auge behalten werden. Vorerst sollte die Pflanze kontrolliert und mit Vorsicht angebaut werden, falls es sich um eine invasive Spezies handelt.

Austr_Malve2Die Eigenschaft, weshalb ich die Australische Malve überhaupt als potenzielle Nutzpflanze in Betracht gezogen habe, konnte ich bisher noch nicht prüfen. In der Literatur heisst es, dass ihre Wurzel essbar sei. Da mein Exemplar aber auch im Winterquartier noch am Gedeihen ist und kürzlich erst wieder zu blühen begann, brachte ich es nicht übers Herz, die Pflanze zu „ernten“. Der Rest der Pflanze ist auch essbar, aber typisch malvenartig filzig-schleimig. Die jungen Blätter sind aber durchaus passabel für den Gaumen.

Von allen gesäten Pflanzenarten keimte die Rengalilie (Arthropodium cirratum) am schnellsten. Darüber habe ich bereits in einem früheren Post berichtet:

https://lassleben.wordpress.com/2012/02/18/lasst-uns-das-australien-projekt-beginnen-teil-2/

Nach der Keimung habe ich sie irgendwann im Frühjahr ausgepflanzt. Bis in den Sommer sind die Pflänzchen nur spärlich gewachsen und wurden häufig von Schnecken attackiert. Irgendwann hat es mit den Attacken aufgehört und die Pflanzen sind ein Stück gewachsen. Geblüht haben sie nicht. Da sie leicht zu ziehen sind, habe ich sie jetzt im Winter draussen gelassen, um zu testen, wie winterhart sie sind. Beobachten konnte ich, dass die oberirdischen Teile bei Frost schnell abgestorben sind (vielleicht auch abgefressen). Ich hoffe sehr, dass sie im Frühling wieder austreiben. Andernfalls sind solche mehrjährigen Pflanzen, die mehrere Jahre brauchen, um zu fruchten, und nicht winterhart sind, für hiesige Gefilde nicht besonders wertvoll. Dazu gehören einige der gesichteten Arten.

So auch die Apfelbeeren (Billardiera). Von dieser Gattung habe ich zwei Arten gesät B. scandens und B. longiflora. Von B. scandens habe ich schon berichtet. Auf die Samen von B. longiflora bin ich zufällig gestossen, als ein Samenhändler auch Saatgut von dieser Art im Angebot hatte. Die Arten unterscheiden sich insbesondere durch die Farbe der Beeren. Während B. scandens Früchte besitzt, die wie kleine Kiwis aussehen, sind die Früchte von B. longiflora glatt und auffallend blau-violett. Die Beeren von beiden Arten sind essbar, aber anscheinend schmecken die von B. longiflora weniger gut. Von B. scandens ist nichts gekeimt, von B. longiflora gerade mal ein Exemplar. Aber die Pflanze gefällt mir:

Billardiera1

Die Blaue Apfelbeere (Billardiera longiflora) ist eine hübsche Kletterpflanze, die sich um die Stützhilfe windet. Sie hat zierliche, filzige Blätter. Bis jetzt hat sie noch nicht geblüht. Sie ist aber schon relativ hoch gewachsen: Die Ranken sind über 50 cm lang. Ich weiss, dass die Pflanze Minusgrade übersteht (mindestens für einige Tage), aber ich habe sie dann doch vorsichtshalber ins Haus genommen, da eben nur ein Exemplar gekeimt ist und ich dessen Zugrundegehen nicht riskieren wollte.

Gut und zuverlässig  ist die Küstenflachslilie (Dianella congesta) gekeimt, aber das hat ziemlich lange gedauert. Ich habe die Pflänzchen ausgepflanzt und siehe da, sie wurden kaum von den Schnecken belästigt. Das ist sicher ein Pluspunkt. Das liegt möglicherweise daran, dass die Pflanzen recht hart und fibrös sind, ideal für eine Faserpflanze. Sie sind nicht besonders schnellwachsend. sie wachsen aber hübsch fächerförmig. Ich habe sie über den Winter draussen gelassen. Ich bezweifle aber, dass sie ihn überleben werden: Das letzte Mal als ich sie sah, waren die Pflänzchen braun und ziemlich tot.

Als letztes ist da noch die Knollige Bulbine (Bulbine bulbosa). Sie ist relativ gut und schnell gekeimt. Die Blätter sehen ein bisschen grasartig aus wie die Blätter der Traubenhyazinthe. Vielmehr gibt es von ihr nicht zu sagen, da sehr bald nachdem ich sie ausgepflanzt hatte, die Schnecken über sie hergefallen sind. Da gibt es keine Hoffnung für ein Überleben.

Wie sieht es für die Zukunft des Australien-Projekts aus?

Ich habe gerade erst (Mitte Februar) alle nichtgekeimten Arten wieder ausgesät und zusätzlich die langsam keimende Dianella. Falls es mit ihnen wieder nicht klappen sollte, muss ich den Versuch mit ihnen aufgeben. Ich bin aber zuversichtlich, da ich nun früher im Jahr gesät habe und ihnen so mehr Zeit zur Keimung gebe.

Grüne Grüsse!

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