Lass uns Erbsen kreuzen lernen!

Ich möchte in diesem Artikel über meine Erfahrungen beim Kreuzen von Erbsen berichten. Ich werde versuchen, eine Art How-to-Tutorial zu machen, womit ich vielleicht die eine oder den anderen dazu inspirieren kann, selber mal den Versuch zu wagen, Erbsen zu kreuzen und so eine eigene Sorte zu züchten. Für Einsteiger/innen ist es mit der Erbse am einfachsten, gezielte Kreuzungen durchzuführen (verglichen mit anderen Leguminosen wie Saubohnen, Lupinen und Gartenbohnen, mit denen ich es schon ausprobiert habe).

Ich weiss, dass ich mit Ende Juli schon recht spät dran bin für dieses Tutorial; die meisten Erbsen haben ihre Blüte hinter sich, bei mir blüht nur noch die allerspäteste Sorte. Vielleicht schafft es aber noch ein/e Leser/in im eigenen Garten eine Kreuzung durchzuführen.

Als Allererstes braucht man für eine Kreuzung grundsätzlich einfach zwei verschiedene Erbsenpflanzen von jeweils einer anderen Sorte. Man sollte ferner ein Ziel haben, was man mit der Kreuzung erreichen will. Merkmale einer Erbsensorte wie Erbsenkornfarbe, -form, -grösse, Wuchshöhe, Zeitpunkt der Blüte, Schotenfarbe, Blütenfarbe, Blattform, Schote mit/ohne Pergamentschicht etc. können so auf eine andere Sorte übertragen werden.

Idealerweise sollten die beiden Sorten im gleichen Zeitraum blühen (es ist aber theoretisch möglich, Pollen tiefgekühlt über Monate bis Jahre zu lagern und Sorten, die unterschiedlich spät blühen, zu befruchten). Hat man nun seine zwei Sorten gefunden, die beide am Blühen sind, sucht man sich pro Sorte eine Blüte aus: die eine Blüte wird Pollen spenden, die andere mit dem Pollen bestäubt. Es sollte prinzipiell keine grosse Rolle spielen, welche Sorte Pollenspender und Pollenempfänger ist. Hier aber ein Tipp aus meiner Erfahrung: Wenn die Sorten unterschiedlich grosse Blüten haben, nehme ich als Pollenempfänger die Sorte mit den grösseren Blüten. Es ist ziemlich schwer, die kleinen Blüten von Futtererbsen zu bestäuben, ohne sie zu verletzen (was zum Abwerfen der Blüte führen kann).

Die Auswahl der Blüten zur Bestäubung ist wichtig. Man will keine Blüten, die sich bereits selbst bestäubt haben, aber auch keine, die noch zu unreif und klein und damit schwer zu bearbeiten sind. Die Blüte des perfekten Pollenempfängers sieht so aus:

Erbse1Das entscheidende Merkmal ist, dass die Blüte noch keine Farbe hat und erst grünlich -weiss ist.

Nun muss man sicherstellen, dass sich die Blüte auch in Zukunft nicht selbst bestäuben kann. Dazu muss man die Staubbeutel im Inneren der Blüte entfernen, ohne die Blüte und vor allem den Griffel allzu arg zu verletzen. Das ist der schwierigste Teil des Kreuzens.

Offen1Ich habe herausgefunden, dass es am einfachsten geht, wenn man leicht oben und unten auf die Blüte drück; die oberen Blütenblätter, die in zwei Lagen übereinander liegen, zur Seite schiebt mit einem Skalpell oder Teppichmesser oder sonstigem scharfen Gegenstand; und schliesslich mit seinem Werkzeug einen Spalt in die unteren, verschlossenen Blütenblätter schneidet, um an die Staubblätter ranzukommen. Man kann (nach meiner Erfahrung) nicht einfach alle Blütenblätter abschneiden und den nackten Griffel bestäuben. Der Griffel würde austrocknen und abfallen.

Offen2Danach muss man die Staubblätter (die gelben Knoten, welche Pollen enthalten) entfernen. Sie lassen sich relativ einfach abtrennen. Man muss aber darauf Acht geben, sie vollständig (es sind etwa neun Staubblätter) aus der Blüte rauszupulen. Nun ist die Blüte bereit, bestäubt zu werden.

Dazu sucht man sich eine geeignete Blüte der zweiten Erbsensorte.

Erbse2Auch die Auswahl der Pollenspenders ist wichtig, jedoch nicht so fundamental wie beim Empfänger. Der Pollen sollte nicht zu unreif sein, aber auch nicht zu alt und ausgetrocknet. Am besten nimmt man eine Blüte die noch nicht geöffnet ist, aber schon etwas Färbung zeigt. Bei der Entnahme von Pollen muss man etwas weniger vorsichtig sein.

PollenMan kratzt sich einfach ein bisschen (idealerweise noch klebrigen) Pollen aus der Blüte des Pollenspenders. Sofern der Griffel nicht verletzt wurde, wird’s die Pflanze überleben.

Diesen Pollen gibt man auf die Spitze (und nicht auf den Bart) des Griffels. Da ich kein Bild von diesem Vorgang habe, zeige ich ein geklautes vom superben (aber leider schon lange nicht mehr aktualisierten) Blog der britischen Gärtnerin Rebsie Fairholm (mit Quellenangabe):

stigma(Bildquelle: Rebsie Fairholm. http://daughterofthesoil.blogspot.ch/2007/05/how-to-breed-your-own-garden-peas.html)

Danach schliesst man die Blüte des Pollenempfängers so gut wie möglich, damit sie nicht austrocknet. Man markiert die Blüte noch bspw. mit einem farbigen Bindfaden und schon ist man fertig. Man sollte mehrere Kreuzungen durchführen, um sicherzustellen, dass man Erfolg hat. Aber in den meisten Fällen bleiben die bestäubten Blüten an der Pflanze dran.

Ich konnte dieses Jahr meine ersten Erbsen der F1-Generation (das sind die ersten Nachkommen aus einer Kreuzung) ernten. In der F1-Generation kommen alle dominanten Gene zum Vorschein, die rezessiven Gene werden erst in der F2-Generation auftauchen (Stichwort: Mendelsche Regeln). Das Ergebnis ist faszinierend:

ErbsenVergleichLinks und rechts sieht man die beiden Elternsorten, in der Mitte die resultierende F1-Generation. Ich habe eine violett-gesprenkelte kleine Futtererbse aus Schweden („Hälsinge Gråärt“, links) und eine grosse blauschotige Erbse („Kapuziner/Capucijner“, rechts) wahrscheinlich aus Holland genommen. Das Ergebnis waren Pflanzen mit einem eher hohen Wuchs, mittelgrossen, mehr oder weniger rein blauen Schoten, mittelgrosse, weniger intensiv gesprenkelte Erbsenkörner. Der Nabel (Hilum) des Erbsenkorns ist interessanterweise dunkel.

Das bedeutet, dass die von mir erstrebten Merkmale (blaue Schoten und violett-gesprenkelte Körner) beide dominant sind, was wiederum heisst, dass ich Mühe haben werde, eine reine Sorte zu züchten. Ich werde trotzdem dranbleiben.

Grüne Grüsse!

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