Lass uns Camassia sp. vergleichen!

Die Quamash waren für verschiedene Völker der Ureinwohner Nordamerikas ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Ich wollte deshalb den Versuch starten, diese Nutzpflanze auch in meinem Garten anzubauen. Ich habe gegen Ende letzten Jahres einige Zwiebeln der Art Camassia cusickii ergattern und in diesem Jahr wachsen sehen können. Die Pflanze ist pflegeleicht, schneckenresistent und blüht sehr hübsch (wofür sie auch verkauft wird).

Quamash

Als sie beinahe schon verblüht war, begann eine andere Pflanze zu blühen, der ich bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe und die mein Vorbesitzer des Schrebergartens gepflanzt haben muss. Die Pflanze ist mir nur wegen ihres Dufts aufgefallen, ein interessanter Duft, der an Vanille und Papier erinnert. Was ich aber dieses Jahr bemerkte, war, wie sehr sich ihre Blüten und diejenigen der Camassia cusickii ähnelten. Könnte es sein?

PrairielilieDer grosse Unterschied war natürlich, die Farbe der Blüten. Keine der Camassia-Arten hat weisse Blüten. Ich konnte jedoch die Identität dieser Pflanze ermitteln und es stellte sich heraus, dass es sich um eine Ziersorte von Camassia leichtlinii mit dem passenden Namen „Alba“ handelt.

Da wächst also eine Nutzpflanze jahrelang in meinem Garten und ich bemerke es nicht einmal! 🙂

Camassia leichtlinii wurde wie die bekanntere Art C. quamash von den nordamerikanischen Ureinwohnern kultiviert, während C. cusickii als ungeniessbar gilt. Das ist ziemlich schade, wenn man folgendes Bild betrachtet:

CamassiaLinks ist eine Zwiebel von C. leichtlinii und rechts ein vielleicht fünfmal so grosses Exemplar von C. cusickii! [Zum Grössenvergleich: C. cusickii ist etwas grösser als eine grosse Speisezwiebel (Allium cepa).] Beides sind ausgewachsene Exemplare, die geblüht haben.

Ich habe von beiden Spezies eine Zwiebel genommen, gekocht und gekostet. [Ich hab’s auch roh probiert, ist aber nicht zu empfehlen. Es klebt wie Taro (Colocasia esculenta) an den Zähnen und ist nicht schmackhaft.] Was beide gemeinsam haben, ist, die kartoffelartige Konsistenz (weist auf Stärke hin) und der Geschmack/Geruch, den ich am besten als floral beschreiben kann. Der Unterschied ist aber, das C. cusickii bitter ist.

Ziel einer Camassia-Züchtung sollte also eine bitterfreie C. cusickii sein. Das könnte durch Auslesen oder durch Hybridisieren mit einer bitterfreien Art geschehen. Ersteres würde zu lange dauern, da mir nur eine begrenzte Genvariabilität zur Verfügung steht. Ich werde mich folglich für den zweiten Weg entscheiden, da ich auch eine bitterfreie Camassia-Art habe, die bestens an meinen Garten angepasst ist und sich hier sogar selbst aussät.

Im nächsten Jahr werde ich also eine Kreuzung zwischen den beiden Arten versuchen, was möglich sein sollte, da alle Camassia-Arten über die gleiche Chromosomenzahl (2n=30) verfügen und von Luther Burbank bereits gemacht worden ist.

Auf die Idee der Camassia-Kultivierung  bin ich übrigens vom Radix-Blog gebracht worden, wie schon bei einigen anderen Projekten. Der Blog ist sicher einer der besten Gartenblogs im Netz.

Grüne Grüsse!

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