Lasst uns die Murtilla munden und über den Mais meckern!

Zuerst die gute Nachricht:

Ich konnte die Beeren der Murtilla (Ugni molinae) ernten und probieren, und sie schmeckten fabelhaft!

Die Murtilla ist eine kleiner, immergrüner Strauch aus dem chilenischen Teil Patagoniens und trägt ebenso kleine Beeren, die aussergewöhnlich (gut) schmecken.

Bevor zu grosse Aufregung entsteht, die Pflanze gilt nur als winterhart bis zur USDA-Zone 8 und ist damit nicht winterhart im Grossteil des deutschsprachigen Raums. Bei wem die Temperaturen nicht unter -10° C fallen, kann aber durchaus den Versuch wagen, die Pflanze im Freiland zu überwintern. Da ich momentan nur eine Pflanze besitze, verschiebe ich das Experiment vorläufig.

Die Murtilla könnte für die Züchtung interessant sein, da sie schon in jungem Alter, nach ein bis zwei Jahren blüht. Vom Boden her benötigt sie auch keinen sauren Boden, so dass auf Torfprodukte verzichtet werden kann, was ökologisch sinnvoll ist.

UgniMolinae2Und wenn die Murtilla blüht, dann blüht sie reichlich und fruchtet dann auch reichlich. Die Blüte beginnt im Frühsommer. Die Bestäubung ist kein grosses Problem, da sie selbstbestäubend ist.

MurtillaDie duftenden weissen bis zartrosa Blüten entwickelten sich bis in den September hinein in kleine tiefrote Beeren. Interessanterweise hellen sie in der Reife wieder auf:

Murtilla2Die nun eher pinken Beeren duften stark nach… Erdbeeren! Und dies findet sich auch im Geschmack wieder. Der Geschmack hat zwei Komponenten: Einerseits besitzen die wirklich reifen Beeren, und nur diese, einen kräftigen Erdbeergeschmack. Der Geschmack ist fast übertrieben wie Erdbeerkaugummi, erscheint aber eher im Hintergrund. Vordergründig wirkt die andere Geschmacksnote und diese konnten auch wirklich alle, denen ich die Beeren zum Probieren gab, wahrnehmen. Die einen sagten Wachholder, die anderen Kräuter, ich finde Nadelgehölz passender. Diesen Geschmack behält die Beere bis in die Reife, wo dann die erste vorhergenannte Komponente zum Zug kommt.

Natürlich schmeckt die Beere auch süss, säuerlich und saftig, wie eine Beere halt schmecken sollte. Aber alles in allem ein einzigartiger Geschmack.

Etwas tricky war, die Reife der Beeren zu erkennen. Meiner Erfahrung nach sind sie reif, wenn sie weich geworden sind. Andere sagen, die Reife sei am Duft zu erkennen, aber ich fand das etwas schwierig zu testen (zu unbequem).

Nachteil ist auch, dass die Beeren wirklich sehr klein sind, zwischen Heidel- und Holunderbeere. Wett macht sie das ein bisschen dadurch, dass sie reichtragend ist. Die tatsächliche Handvoll Beeren für den kleinen Strauch ist schon beeindruckend.

Nun zur (für mich) schlechten Nachricht:

Meine Maisernte wurde so ziemlich vollständig durch Rehe oder Vögel vernichtet.

Mais1Wer verantwortlich ist, kann ich nicht mit hundertprozentiger Gewissheit sagen. Menschen waren es aber sicher nicht, da die Maiskolben abgefressen auf dem Feld liegen gelassen wurden und das tun Menschen nun mal nicht:

Mais2Die Pflanzen waren fast alle umgeknickt und die Kolben abgefressen.

Ein paar Einzelkörner konnte ich retten, aber es ist unheimlich schade, denn ich durfte zuvor auf einen grossen Ertrag hoffen durch die stattlichen F1-Pflanzen aus verschiedenen bunten Maissorten.

Ich bin mir relativ sicher, dass Rehe die Schuldigen waren, da ich Hufabdrücke in einem frisch gemachten Beet entdeckte. Normalerweise kommen die Rehe erst im Winter in die Gärten; vielleicht war es ein besonders hartes Jahr für die Tiere.

Na ja, als Gärtner muss man wahrscheinlich immer mit einem Totalausfall rechnen. Daher ist auch sinnvoll, möglichst viele Kulturen anzubauen; der Erfolg hier vertröstet den Misserfolg da.

Grüne Grüsse!

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3 Kommentare zu „Lasst uns die Murtilla munden und über den Mais meckern!“

  1. Das mit dem Mais ist ein herber Rückschlag. Dafür bin ich umso beeindruckter von der Murtilla! Eine kurze Suche hat ergeben, dass die Früchte gerne mit Quitten zusammen eingemacht werden. Mmh! Hast Du die Pflanze aus Samen gezogen oder einen Ableger ergattert?
    Neugierige Grüße

    1. Danke für dein Mitgefühl. Das mit dem Mais war schon eine ziemliche Enttäuschung.
      Mit der Murtilla wollte ich mir was gönnen und habe mir ein Pflänzchen aus einer französischen Gärtnerei schicken lassen. Die Gärtnerei (planfor.fr) kann ich nicht unbedingt empfehlen; das Murtilla-Pflänzchen war in Ordnung, die restlichen Pflanzen, die ich bekommen habe, eher nicht.
      Ich konnte jetzt natürlich auch ein paar Samen davon säen. Angeblich braucht die Murtilla keine Stratifikation zur Keimung, die Chancen dazu werden aber verbessert. Ich versuch’s jedenfalls mal auf diese Weise.

  2. Ah, danke für die Antwort. Hatte mir schon gedacht, dass nicht so einfach an die Murtilla heranzukommen ist. Bisher habe ich äußerst selten bei Versandgärtnereien bestellt, weil das Gefühl, nicht das beste Pflänzchen selber aussuchen zu können, mich fertig macht. ; ) Aber bei gewissen Raritäten muss man in den sauren Apfel beißen. Ich drücke die Daumen für eine Keimung des Saatgutes!

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